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Für vakante Logistik-Jobs Mitarbeiter der Konkurrenz abzuwerben, ist zulässig

Der Fachkräftemangel in der Logistik treibt Arbeitgeber zum Konkurrenzkampf um passende Arbeitnehmer (Foto-Quelle: Fotolia)

Der Fachkräftemangel macht den Wettbewerb um gute Arbeitnehmer immer härter. Das ist auch bei der Besetzung von Jobs in der Logistik zu spüren. Abwerbungen nehmen zu. Wie ist die rechtliche Situation?

 

Um geeignete Arbeitskräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen, setzen Arbeitgeber auch auf die Abwerbung von Kandidaten bei der Konkurrenz. Ist das erlaubt? Meist ja. Es gibt nur wenige Fälle, bei denen sich ein betroffener Arbeitgeber dagegen wehren kann. Das geht unter anderem aus diesem Beitrag hervor: https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/abwerbung-wettbewerbsverbot-und-karenzentschaedigung/abwerben-von-mitarbeitern_76_432570.html

 

Es ist schwer, Mitarbeiter im Logistik-Job zu halten

Der Arbeitnehmer darf frei entscheiden, wo er arbeiten möchte. Unter Einhaltung der Kündigungsfristen darf er auch jederzeit den Arbeitgeber wechseln. Und das Abwerben von Mitarbeitern gehört zur freien Marktwirtschaft. Eingeschlossen sind Versprechen wie bessere Arbeitsbedingungen oder eines höheren Arbeitsentgelts. Auch eine Kontaktaufnahme am Arbeitsplatz – ob vor Ort oder per Telefon, ob direkt oder über einen Headhunter – ist innerhalb enger Grenzen zulässig.

Selbst wenn der abgeworbene Mitarbeiter bereits vor Ablauf seiner eigentlichen Kündigungsfrist beim neuen Arbeitgeber aktiv tätig wird, ist dies nicht zwingend als wettbewerbswidriges Verhalten des neuen Arbeitgebers zu werten. Er darf diese Leistung annehmen, solange er den neuen Mitarbeiter nicht aktiv zum Vertragsbruch angestiftet hat. Der ehemalige Mitarbeiter, der den Vertragsbruch begangen hat, kann aber von seinem bisherigen Arbeitgeber dafür belangt werden.

Eine Klage auf Basis des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) ist unter wenigen Umständen möglich. Arbeitsvertraglich können nach HGB Wettbewerbsverbote auferlegt werden. Zudem kann ein Verstoß gegen Treuepflichten geahndet werden, wenn ein Mitarbeiter an seinem bisherigen Arbeitsplatz andere Arbeitnehmer abwirbt, solange sein Arbeitsverhältnis noch besteht oder er freigestellt ist.

 

Vorsätzlich zugefügter Schaden ist entscheidend

Die genannte Quelle nennt für das Abwerben von Mitarbeitern bei der Konkurrenz folgende Grenze: vorsätzlich dem betroffenen Unternehmen zugefügter Schaden.

Nicht erlaubt ist beispielsweise:

  • Arbeitnehmer zum Vertragsbruch auffordern, auch nicht zu einer Handlung, die den Arbeitgeber zur sofortigen Kündigung veranlassen soll (zum Beispiel Übernahme einer Vertragsbruchstrafe).
  • Arbeitnehmer durch irreführende Mitteilungen oder negative Äußerungen über den bisherigen Arbeitgeber zur Vertragslösung bringen.
  • Arbeitnehmer planmäßig abzuwerben, um die Leistungsfähigkeit des Konkurrenten zu schwächen oder um an Betriebsgeheimnisse zu gelangen. 

Ist eine rechtliche Ahndung möglich, können Schadensersatzforderungen gestellt werden. Allerdings muss der entstandene Schaden nachgewiesen werden. Ebenso sind Unterlassungsklagen möglich oder ein Beschäftigungsverbot beim neuen Arbeitgeber für den Abgeworbenen, solange die rechtmäßige Kündigungsfrist dauert.

Da die Möglichkeiten, gegen Abwerbungen vorzugehen, sehr eingeschränkt sind, sollten Arbeitgeber präventiv handeln: Einzig ein gutes Arbeitsklima und ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten können Abwerbungen effektiv vorbeugen.