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Anschreiben: Logistiker sollten ehrlich sein und Kante zeigen

Dr. Slaghuis zeigt, wie ein ehrliches Bewerbungsschreiben aussehen könnte. (Foto-Quelle: Fotolia)

Diese Überschrift kann sicher jeder unterschreiben, ob Logistiker oder nicht. Unehrlichkeiten werden letztendlich entlarvt. Wenn Sie im Bewerbungsprozess nicht zu erkennen geben, was Ihnen tatsächlich wichtig ist, kann es im neuen Job schief gehen. Kante dient dazu, sich von anderen Bewerbern abzuheben und Persönlichkeit zu zeigen. Ihr Wesen muss zum jeweiligen Job als Logistiker, den Kollegen und dem Unternehmen passen.

Der Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis hat kürzlich auf seinem Blog „Perspektivwechsel“ aus seiner Arbeit mit Bewerbern heraus ein Anschreiben formuliert, das große Diskussionen unter seinen Lesern ausgelöst hat. Aber lesen Sie selbst:

„Als ich Ihre Stellenanzeige las, war ich noch nicht begeistert. Denn schließlich klingt sie wie die vielen anderen, die ich täglich lese, und so richtig weiß ich nicht, wen Sie suchen und was genau sich hinter dieser Stelle verbirgt. Doch das, was ich über Ihr soziales Engagement hier in der Region gelesen habe, hat mich sehr beeindruckt, und auch die dargestellten Unternehmenswerte passen gut zu dem, was mir im Beruf wichtig ist. Ich liebe Ihre Produkte und die ausgeschriebene Position klingt nach einer tollen Chance für mich. Und ganz nebenbei: Ich möchte meine Lebenszeit nicht länger im Stau verschwenden und suche einen neuen Arbeitgeber um die Ecke. Das sind Sie! Ob es wirklich passt, das werden wir jedoch nur gemeinsam im Gespräch herausfinden können.

Alle Informationen über meine Vergangenheit finden Sie im Lebenslauf sowie in den Zeugnissen meiner Ex-Arbeitgeber. Mein letzter Arbeitgeber und ich haben einen Aufhebungsvertrag geschlossen, denn nach dem Wechsel des Managements und auch meines Chefs passte die Kultur nach zehn Jahren für mich dort nicht mehr. Seit einem Monat bin ich freigestellt und fokussiere mich auf die Suche nach einem neuen, passenden Arbeitgeber für meine berufliche Zukunft, vielleicht sogar bis zum Ruhestand.

Wenn Sie einen roten Faden in meinem Lebenslauf suchen, werden Sie keinen finden. Ich sehe mich als Generalist, bin vielseitig interessiert und brauche die Abwechslung im Beruf. Meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen und Funktionen sehe ich ebenso als Stärke wie auch die Erlebnisse aus meinen zwei jeweils sechsmonatigen Reisen als Auszeiten während der letzten zehn Jahre. Ich kann kein Instagram, dafür gibt es kaum etwas, das mich mit Anfang 50 als `alten Hasen´ noch aus der Ruhe bringt.

Es motiviert mich und ich werde nur dann in den nächsten Jahren bei Ihnen bleiben, wenn mein Chef mich und sein Team wertschätzend führt, mich entsprechend meiner Stärken und Talente einsetzt und mir den Freiraum gibt, den ich brauche. Ich werde auch Fehler machen, besonders zu Beginn. Daran möchte ich wachsen, nicht bestraft werden. Sehe ich Fehler bei anderen, möchte ich sie darauf aufmerksam machen dürfen, denn Erfolg als Team ist mir wichtig. Als Mitarbeiter werde ich auch kritische Fragen stellen und manchmal unbequem sein. Ich arbeite nicht ab, sondern gestalte mit. Ich möchte Neues lernen und mich persönlich weiterentwickeln. Gerechtigkeit in der Aufgabenverteilung und Vergütung, Freiheit im Denken und Handeln, Freude bei der Arbeit sowie die Identifikation mit meinem Arbeitgeber und seinen Produkten sind mir besonders wichtig.

Mein Feierabend ist mir heilig. Ich arbeite länger, wenn es nötig ist, doch neben dem Beruf habe ich ein Privatleben. Ich werde regelmäßig Urlaub machen und am Wochenende nicht erreichbar sein. Ich brauche meinen eigenen Arbeitsplatz, den ich mir einrichten kann. Maximal zu zweit in einem Büro. Etwas Home-Office ist schön, jedoch weder Vollzeit noch als regelmäßiger Zwang. Ich mag den Austausch mit Kollegen, aber auch meine Ruhe. Ab und zu eine Reise ist in Ordnung, doch ich bin auch gerne bei meiner Familie zuhause.

Kommunikationsfähig, teamorientiert und durchsetzungsstark bin ich wohl – was auch immer das bedeutet. Ich denke strategisch, schaue über den Tellerrand und gehe analytisch an Themen heran. Ich schaffe gerne Strukturen, finde aber auch das Chaos für Kreativität und Innovation hilfreich. Ich bin kein Schwätzer, sondern beobachte und höre zu, bevor ich meine Meinung sage. Ich bin neugierig und offen gegenüber Neuem, Veränderungen sehe ich als Chance. Das erwarte ich auch von meinem Umfeld. Weiterbildung lässt mich wachsen und hat mir in der Vergangenheit viele Impulse gegeben. Hier weiß ich am besten selbst, was mich weiterbringt.

Ich möchte in den nächsten Jahren mehr Verantwortung übernehmen. Karriere um jeden Preis ist jedoch nicht mehr mein Antrieb. Es ist mir wichtig, meinen Weg zu gehen und nicht nur den, von dem Sie glauben, dass er richtig für mich ist. Den gemeinsamen Weg möchte ich regelmäßig mit meinem Arbeitgeber reflektieren – häufiger als einmal im Jahr im Mitarbeitergespräch.

Ich bin sofort verfügbar, möchte mir jedoch vor dem Einstieg drei Wochen Urlaub gönnen. Meine Gehaltsvorstellung? Geld schenkt mir Sicherheit und ich möchte meinen guten Lebensstandard halten. Wenn alles andere erfüllt ist, was mir im Beruf wichtig ist und es zwischen uns menschlich passt, dann bin ich zuversichtlich, dass wir im Gesprächsverlauf auch beim Gehalt zusammenfinden werden.

Treffen wir uns zu einem persönlichen Gespräch, dann gefällt es mir, wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen. Ich stehe weder auf Standardfragen zu meinen Stärken und Schwächen, noch auf Persönlichkeitstests und Rätselaufgaben. Ich werde Ihnen nicht jeden Arbeitgeberwechsel der Vergangenheit erklären oder die kleinste Lücke im Lebenslauf begründen. Sie dürfen mich alles fragen, was für Ihre Entscheidung wichtig ist, das gleiche gilt für mich.

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, ich passe zu Ihnen sowie ins Team und bin derjenige, dem Sie die Verantwortung für die Aufgaben in dieser Position übertragen möchten, dann rufen Sie mich an und wir suchen nach einem Termin für unser erstes persönliches Kennenlernen.“

Wie könnten Sie als Logistiker sich nach dieser Lektüre Ihr nächstes Anschreiben vorstellen? Empfinden Sie den Text negativ oder positiv? Würden Sie diesen Bewerber zu einem Gespräch einladen?

Die dazugehörige Meinung und Begründung von Slaghuis sowie die Kommentare der Leser finden Sie hier: http://www.xing-news.com/reader/news/articles/808877?link_position=digest&newsletter_id=23893&toolbar=true&xng_share_origin=email