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Warum Frauen im Logistik-Job oft weniger erreichen als ihre männlichen Kollegen – und 8 Tipps, was sie dagegen tun können

Frauen verdienen oft weniger als ihre männlichen Kollegen, das muss nicht so bleiben. (Foto-Quelle: Fotolia)

Der BirdieMatch-Gehaltsreport hat es gezeigt: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer in Logistik-Jobs – und nicht nur dort. Aber warum? Und was behindert ihre Karrieren?

Die Gehaltsstudie von BirdieMatch, dem Job-Matching-Portal für Logistik, Spedition, Transport und KEP weist eklatante Unterschiede zwischen Männern und Frauen in ähnlichen Positionen in Logistik-Jobs aus. Doch nicht nur das: Bereits die Gehaltsvorstellungen von Jobeinsteigern liegen bei den Frauen deutlich unter denen der männlichen Bewerber. (Mehr zur BirdieMatch-Gehaltsreport inklusive kostenlosem Download: https://www.birdiematch.de/logistik-jobs-gehaltsvergleich) Dies könnte damit begründet werden, dass Frauen ihre finanziellen Chancen beim Einstieg in einen Logistik-Job realistischer einschätzen als ihre Kollegen. Oder damit, dass sie sich von vornherein unterschätzen.

Aber warum bleibt der Unterschied auch im späteren Berufsleben bestehen? Und warum finden sich auch in der Logistik nur wenige Frauen in Führungspositionen, obwohl es Kanzlerinnen, Premierministerinnen sowie Königinnen gibt und Frauen durchweg und weltweit herausragende soziale Kompetenzen bescheinigt werden (http://www.haygroup.com/de/press/details.aspx?id=46942)? Ihre Schulnoten sind häufig besser https://www.heise.de/tp/features/Maedchen-haben-schon-seit-100-Jahren-bessere-Schulnoten-als-Jungen-3365087.html), mehr Mädchen als Jungen machen Abitur und immer mehr studieren: Von Wintersemester 2016/17 auf Wintersemester 2017/18 nahm die Zahl der Studienanfängerinnen um 2,2 Prozent zu (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/11/PD17_427_213.html).

Gläserne Decke?

Immer wieder wird die von Männern gehütete „gläserne Decke“ angeführt, die aus bestimmten männlichen Verhaltensweisen und männlich geprägten Anforderungen bestehen soll, die Frauen nicht erfüllen könnten oder wollten. „Bei Führungspositionen geht es oft um Freiräume“, erklärt Prof. Brigitte Witzer, Coach für Führungskräfte. „Also etwa um die Möglichkeit, in Notfällen alles für die Firma stehen und liegen zu lassen. Wer sich neben dem Job auch um die Kinder kümmert, hat solche Freiräume nicht.“ (http://www.sueddeutsche.de/news/karriere/arbeit-expertinfleiss-bringt-frauen-nicht-durch-die-glaeserne-decke-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170710-99-181071). „Frauen müssen das Spiel mitspielen, erst dann können sie die Regeln ändern“, sagt Witzer.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Aufstieg in die Führungsetagen von Unternehmen häufig zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr stattfindet. Dies ist jedoch oft der Zeitraum, in dem Frauen aufgrund von Geburten nur bedingt am Arbeitsleben teilhaben.   

Doch meist erreichen Frauen nicht einmal die gläserne Decke. Das kann viele Ursachen haben. Einige Beispiele nennt der Soziologe Prof. Dr. Carsten Wippermann. In Interviews mit männlichen Führungskräften hat er drei Mentalitätsmuster ausgemacht: Von den konservativ Denkenden werden Frauen in Führungspositionen schlicht wegen ihres Geschlechts abgelehnt. Andere zeigen eine emanzipierte Grundhaltung – sind aber überzeugt, dass Frauen gegen Machtrituale und gesellschaftliche Rollenbilder meist chancenlos seien. Für eine dritte Gruppe ist das Geschlecht zwar nicht das Entscheidende, sie sehen aber einen Mangel an authentischen und flexiblen Frauen, die Führungspositionen besetzten könnten (https://www.mittelbayerische.de/wirtschaft-nachrichten/die-glaeserne-decke-durchbrechen-21840-art1330489.html). Frauen wird also unter anderem von vornherein weniger zugetraut als männlichen Berufsanfängern – trotz besserer Zeugnisse.

Oder sich selbst im Weg stehen?

Ein weiterer Hinderungsgrund: mangelndes Selbstbewusstsein. Selbst wenn sie für eine Stelle qualifiziert sind, trauen Frauen sich die Arbeit deutlich seltener zu als ihre männlichen Kollegen. Hierzu ein Zitat von Claudia Ivascu (43), Marketing-Direktorin beim weltgrößten Generika-Hersteller Teva: „Frauen gehen mit einer subtileren, analytischeren Haltung an Führungspositionen heran und greifen erst danach, wenn sie sicher sind, dem eigenen hohen Anspruch gerecht zu werden. Bis dahin haben allerdings schon etliche Männer den Job klargemacht.“ (https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article158994352/Warum-viele-hoffnungsfrohe-Frauenkarrieren-scheitern.html) Und hier sind wir bei einem selbst gemachten Grund angelangt, der darum auch leichter zu verändern ist als gesellschaftlich geprägte Vorurteile. Dies gilt übrigens auch für die Verteilung der Hausarbeit. Wippermann hielt es für geboten, Studentinnen in einem Vortrag zu empfehlen, mit dem Partner über die faire Verteilung solcher Aufgaben zu sprechen und zur Entlastung auch auf haushaltsnahe Dienstleistungen zurückzugreifen.

8 Tipps, um als Frau weiterzukommen:

  • Nutzen Sie Coaching-Angebote, um Ihr Selbstbewusstsein und Ihr gesamtes Auftreten zu stärken.
  • Stapeln Sie nicht tief, sondern reden Sie über Ihre Leistungen – auch mit Ihrem Chef.
  • Warten Sie nicht auf Ihre Berufung, sondern suchen Sie sich aktiv neue Herausforderungen.
  • Suchen Sie sich einen Mentor / eine Mentorin.
  • Ob Haushalt, Kinder oder pflegebedürftige Eltern: Suchen Sie Alternativen zu Rollenklischees.
  • Fördern Sie das Selbstbewusstsein Ihrer Töchter.
  • Tun Sie nur das, was ihren Wünschen entspricht. Niemand muss Chef werden, nur weil er die Fähigkeiten dazu hätte. Wenn Sie lieber Logistik-Job x machen als Job y, weil x Ihnen mehr Befriedigung verschafft, dann bleiben Sie dabei. Wenn Sie lieber Kuchen backen als große Brötchen im Job, dann ist das in Ordnung – so lange Sie dies aus freien Stücken tun und sich der Konsequenz – vor allem der geringeren finanziellen Absicherung – bewusst sind. Ein erfolgreiches Leben hängt nicht von einer klassischen Karriere ab. Zum Unterschied zwischen Karriere und Erfolg: http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauen-in-deutschland/187498/frauenverbaende.

Veränderung in Sicht – in zehn Jahren

Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin glaubt übrigens, dass die Arbeitswelt sich wandelt. Seine Begründung neben zunehmendem Fachkräftemangel und wachsenden globalen Konkurrenzanforderungen: „Frauen werden für ein neues Denken bei der Gestaltung von Führungspositionen sorgen und großen Druck auf die Unternehmen ausüben, Familienleben und Karriere miteinander verbinden zu können.“ Zehn Jahre rechnet Hurrelmann allerdings noch bis zum endgültigen Mentalitätswechsel (https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article158994352/Warum-viele-hoffnungsfrohe-Frauenkarrieren-scheitern.html). Das könnte den Frauen der Generation Z zugutekommen.