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Home Office im Logistik-Job: Wunsch und Wirklichkeit


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Home Office für Logistiker: Nicht immer einfach, aber machbar!

Fragt man Arbeitnehmer nach ihren Wünschen zusätzlich zum eigentlichen Logistik-Job, gehören flexible Arbeitszeiten und Home Office zu den größten fünf Sehnsüchten. Das hat auch der aktuelle Gehaltsreport von BirdieMatch ergeben. Ein guter Grund, die Arbeit im Home Office einmal näher zu beleuchten.

Freiheit! Arbeiten, wann man will und so lange man will. Nicht ständig vom Chef genervt werden, keine Ablenkung durch Kollegen. Stimmt. Aber Home Office bedeutet auch, keine Kollegen zu haben. Dafür aber Ablenkung durch andere Dinge, die zuhause dringend zu erledigen sind – etwa Hausarbeit, Hausaufgabenkontrolle o.ä. Hinzu kommt, dass das Einhalten geregelter Arbeitszeiten ebenso schwer fallen kann wie keine wirkliche Abgrenzung zwischen Arbeitsplatz und Privatsphäre zu finden.

1. Vorteile

Selbstbestimmung – bezüglich des Arbeitsortes und zum Teil bezogen auf die Verteilung der Arbeitszeit, selbst bestimmte Tagesstrukturen, mehr Zufriedenheit mit der Arbeitssituation sowie wenig Ablenkung durch Kollegen sind die größten Vorteile des Home Offices. Doch daraus können sich auch Nachteile ergeben.

2. Nachteile

2.1 Schlecht für Einkommen und Karriere

Manche sehnen sich schnell wieder zu den geordneten Verhältnissen im Firmenbüro zurück. Nicht nur die vorgegebene Tagesstruktur fehlt ihnen plötzlich. Kein Wunder: Neben den Anforderungen eines Arbeitsplatzes zuhause ist die Home-Office-Bilanz auch mit Blick auf Einkommen und Karriere schlecht. Das haben Wissenschaftler rund um Nicholas Bloom von der Stanford University herausgefunden (https://www.gsb.stanford.edu/insights/why-working-home-future-looking-technology; https://t3n.de/news/home-office-vorteil-nachteil-stanford-studie-887142/). Zumindest in den USA, wo zehn Prozent der Beschäftigten regelmäßig von Zuhause aus arbeiten, ergab die Untersuchung von 16.000 Betroffenen über einen Zeitraum von neun Monaten Erstaunliches: Einerseits stieg die Leistung der Versuchsteilnehmer um 13 Prozent an - vor allem, weil die Mitarbeiter länger arbeiteten, als sie mussten, weniger und kürzere Pausen machten sowie seltener krank waren. Gleichzeitig stieg die Konzentration dank weniger Störquellen und die Heimarbeiter waren zufriedener mit ihrer Arbeit. Andererseits nahmen die Chefs der Versuchsteilnehmer – im Vergleich zu einer Gruppe, die weiterhin im Büro arbeitete – die gestiegene Leistung nicht wahr und honorierten sie entsprechend auch nicht, weder durch Gehaltserhöhungen oder zumindest Entlohnung der Mehrarbeit noch durch einen Schritt nach oben auf der Karriereleiter. Und das, obwohl sie durch die Heimarbeit ihrer Mitarbeiter auch noch Bürokosten sparten.

2.2 Nur eingeschränkt selbstbestimmt

Zudem ist es ein Trugschluss, im Home Office völlig flexibel und im eigenen Rhythmus arbeiten zu können. Schließlich müssen Termine eingehalten und an Telefonkonferenzen wahrgenommen werden. Darüber hinaus verlangt auch beziehungsweise gerade die Arbeit zuhause eine detaillierte Abstimmung mit Kollegen und Vorgesetzten. Kaum ein Arbeitgeber wird Sie zudem ohne festgelegte Arbeitszeiten nach Hause schicken. Letztlich müssen Sie erreichbar sein für Ihre Kollegen im Logistik-Job. Das hat den Vorteil, dass Sie zumindest offiziell irgendwann auch Feierabend haben. Und den Nachteil, dass Sie eben nicht flexibel einteilen können, wann Sie arbeiten.

2.3 Familien- und Arbeitsleben streiten um Ihre Gunst

Eine Veröffentlichung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) aus September 2018 weist auf die Herausforderung hin, Familie und Beruf zuhause unter einen Hut zu bringen: Flexibles Arbeiten erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Beruf-Familie-Konflikten. Das widerspricht der weit verbreiteten Meinung, diese Arbeitsweise verbessere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

3. 9 Regeln für Ihre Tätigkeit im Home Office

Falls Sie trotzdem einen Home-Office-Versuch starten wollen, ist zunächst zu klären, ob Ihr Logistik-Job dies überhaupt zulässt und ob Ihr Arbeitgeber einverstanden ist. Bedenken Sie bei Ihrer Argumentation unbedingt: Es geht um eine wirtschaftliche Entscheidung, nicht um Ihre persönlichen Befindlichkeiten. Welche Vorteile hat Ihr Arbeitgeber, wenn er Sie ins Home Office schickt? Dazu können bessere Konzentrationsfähigkeit, Zeitgewinn (vor allem bei Pendlern), Kostenersparnis (Bürokosten) und erhöhte Produktivität gehören.

Dann gibt es einiges zu beachten, um den ungewohnten Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Klare Regeln sind zu schaffen. Dazu gehören:

  1. Arbeitstage und Arbeitszeiten genau festlegen – und sich daran halten
  2. Zeiten für Erreichbarkeit entsprechend der Arbeitszeit definieren – und sich daran halten
  3. regelmäßigen Termin zur Kommunikation mit Vorgesetzten und Kollegen vereinbaren – Sie müssen zeigen, dass Sie „da“ sind
  4. technische Möglichkeiten für Ihre Erreichbarkeit checken und gegebenenfalls nachrüsten – Telefonleitung, Internetverbindung, Skype-Möglichkeit etc.
  5. Arbeitsmittel festlegen: Privatleitung oder Firmenleitung? Firmen-PC oder eigener Laptop? Verbindung zum Firmenrechner?
  6. Arbeitsplatz festlegen – der Küchentisch einer WG eignet sich auf Dauer ebenso wenig wie der Balkon oder das Bett…
  7. Ziele festlegen
  8. Definieren, wie die Arbeitszeiten erfasst werden sollen
  9. Vereinbarung schriftlich festhalten (eventuell Hilfe vom Betriebsrat holen).

4. 50 Tipps von karrierebibel.de

Arbeit wird durch eine Home-Office-Regelung nicht zur Freiwilligkeit. Und Selbstorganisation ist noch wichtiger als im Büro. Der Blog „karrierebibel.de“ hat 50 Tipps zusammengestellt, wie es mit der Arbeit von Zuhause aus klappen kann: https://karrierebibel.de/wp-content/uploads/2017/02/Home-Office-Tipps-Regelung-Arbeiten.pdf 

Ein paar Hinweise zum Arbeitsrecht im Home Office gibt es hier: https://karrierebibel.de/wp-content/uploads/2016/06/Home-Office-Arbeitsrecht-Regelung-Arbeitgeber.pdf

5. Test: Sind Sie ein Home-Office-Typ?

Testen Sie sich! karrierebibel.de bietet hier auch einen Selbsttest, ob Sie für die Arbeit im Home Office überhaupt geeignet sind.

6. Unternehmensbeispiele: Möglichkeiten in Logistik-Jobs sind bisher begrenzt

Wie sieht es mit Home-Office-Angeboten in der Logistik-Realität aus? 2018 hat der Journalist Ralf Johanning für die „DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung“ die Home-Office-Möglichkeiten in verschiedenen Logistik-Unternehmen geschildert. Hier sind drei Beispiele:

Timocom hat im vergangenen Jahr seine Home- und Mobile-Office-Regelungen ausgeweitet. Um den Mitarbeitern mehr Freiheiten zu gewähren, hat der Betreiber einer Transportplattform seine Leute in der Erkrather Zentrale mit Laptops und Headsets ausgestattet. Das Unternehmen sieht in der neuen Initiative einen Weg, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Gleichzeitig kann nun auch jemand mit Lebensmittelpunkt in Berlin oder Hamburg für das IT-Unternehmen arbeiten, ohne umziehen zu müssen.

Bei Hellmann Worldwide Logistics gibt es eine Betriebsvereinbarung, die besagt, dass Mitarbeiter, für die ein Home Office in der täglichen Arbeit möglich ist, auch von zuhause aus arbeiten können. Johanning hat mit Christiane Brüning, Head of Corporate Communications bei Hellmann, darüber gesprochen: Auch hier ist einer der Gründe für die Einführung, standortfernen Kandidaten gangbare Modelle der Zusammenarbeit aufzuzeigen. In welchem Ausmaß das Modell in Anspruch genommen werden kann, entscheidet dann die jeweilige Führungskraft.

Auch die Hamburg Port Authority (HPA) erlaubt die Arbeit von zuhause aus. „Wir vermitteln unseren Kandidaten bereits im Bewerbungsprozess viele Optionen. Dazu gehört auch das Homeoffice“, sagte Etta Weiner, damals Pressesprecherin der Hamburg Port Authority (HPA), gegenüber Johanning. „Die Arbeit von zu Hause aus ist bei der HPA eine Möglichkeit, die wir Beschäftigten insbesondere in Familien- oder Pflegephasen anbieten.“ Das steigere sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit als auch die Qualität der Arbeit.

7. Ausblick

Jedes zweite Unternehmen in Deutschland geht davon aus, dass der Anteil seiner Home-Office-Mitarbeiter in den kommenden Jahren wachsen wird. Einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge wäre es schon heute für 40 Prozent der Beschäftigten möglich, zu einem Teil zu Hause zu arbeiten. „Wir werden künftig in Deutschland deutlich mehr Heimarbeit sehen als bisher“, prognostizierte DIW-Forscher Karl Brenke 2018.

Der Digitalverband Bitkom hat in einer aktuellen Umfrage ermittelt, dass 40 Prozent aller Arbeitgeber in Deutschland Mitarbeitern diese Möglichkeit bereits bieten (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Vier-von-zehn-Unternehmen-erlauben-Arbeit-im-Homeoffice.html).

Dies gilt bisher nicht für Jobs in der Logistik: Im aktuellen BirdieMatch-Gehaltsreport (erscheint im Februar 2019) steht, dass mittlerweile 8,0 Prozent der befragten Logistik-Unternehmen die Arbeit im Home Office anbieten. Laut Brüning ist der Trend aber nicht aufzuhalten. Das Home Office werde immer stärker von den Bewerbern nachgefragt.
Zum Gehaltsreport 2018