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Nicht nur in der Logistik: Hohe emotionale Bindung spart Geld

Wer seinen Job liebt, der bleibt dabei und erspart Unternehmen hohe Kosten. (Foto-Quelle: Fotolia)

In Zeiten guter Konjunktur und fehlender Fachkräfte unternehmen viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber haben, bei etwa 15 %. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 % der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Das sind die zentralen Ergebnisse des Engagement Index 2016, den das Beratungsunternehmen Gallup im Frühjahr in Berlin vorgestellt hat. Die repräsentative Studie beruht auf computergestützten Telefoninterviews mit 1413 Arbeitnehmer/innen. Die Untersuchung belegt auch: Wie lange Mitarbeiter im Unternehmen bleiben und wie produktiv sie in dieser Zeit sind, hängt in erster Linie vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten ab. Doch in punkto Führungsqualität klaffen die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in den Unternehmen weit auseinander, geht aus einer Pressemitteilung der Marktforscher hervor. Nach Gallup-Berechnungen kostet die innere Kündigung aufgrund schlechter Führung die deutsche Volkswirtschaft bis zu 105 Mrd. EUR jährlich. Unternehmen müssen im Schnitt das 1,5-fache des Jahresgehalts aufwenden, um einen Mitarbeiter gleichwertig zu ersetzen – Kosten, die letztlich durch mangelnde Mitarbeiterbindung verursacht werden.

 

Gute Bedingungen für Jobwechsel

Die geringe emotionale Bindung der Mitarbeitenden wirkt sich direkt auf wichtige Wettbewerbsfaktoren wie Fehlzeiten, Produktivität, Rentabilität, Qualität und Kundenbindung aus. Arbeitnehmer, die sich emotional nicht an ihren Arbeitgeber gebunden fühlen, zeigen weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein – und sie schweigen zudem häufiger zu Fehlentwicklungen.

Problematisch ist auch die hohe Fluktuation in einer gering gebundenen Belegschaft. Laut aktuellem Index beabsichtigen 84 % der hoch gebundenen, aber nur 31 % der nicht gebundenen Mitarbeiter in drei Jahren noch bei ihrer jetzigen Firma zu sein – jeder Dritte von ihnen ist bereits heute aktiv auf Jobsuche. Die gute Konjunktur kommt „Jobhoppern“ entgegen: Fast zwei Drittel der Befragten rechnen sich gute bis sehr gute Chancen aus, schnell einen neuen Arbeitsplatz zu finden, sollten sie heute ihren Job verlieren. Dies gilt sicher auch für die Speditions-, Transport- und Logistikbranche.

 

Richtige Hebel wählen

Die latente Wechselbereitschaft in der Belegschaft gerade in Zeiten des Fachkräftemangels stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Im Schnitt bleibt eine vakante Stelle derzeit 98 Tage unbesetzt. Das sind 35 Tage mehr als noch in 2007, haben die Forscher ermittelt. Marco Nink, Senior Practice Consultant bei Gallup: „Neue Mitarbeiter brauchen meist Monate, bis sie wirklich produktiv arbeiten. Außerdem bedeutet jeder Weggang den Verlust von Erfahrung, Fachwissen und Kontakten und wirkt sich oft negativ auf Betriebsklima und Kundenbeziehungen aus.“ Viele Firmen unternehmen zwar große Anstrengungen, um Mitarbeiter zu halten und zu binden, doch sie setzen offenbar nicht an den richtigen Hebeln an. Nink: „Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit, Entlohnung, Sozialleistungen, flexible Arbeitszeit oder die Zahl der Urlaubstage sind für Mitarbeiter zwar durchaus wichtig, auf deren emotionale Bindung haben sie jedoch kaum Einfluss. So ist beispielsweise die Möglichkeit, das zu tun, was man richtig gut kann fünf Mal wichtiger als das Gehalt. Entscheidend sind außerdem Dinge wie Führungsqualität, eine herausfordernde, abwechslungsreiche und als sinnvoll empfundene Tätigkeit und die Kollegen. Emotionale Bindung wird im direkten Arbeitsumfeld erzeugt und der direkte Vorgesetzte ist dabei das A und O.“

 

Führungskräfte schulen

Doch genau hier ist der Haken: In punkto Führungsqualität klaffen die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in deutschen Unternehmen besonders weit auseinander, geht aus dem Index hervor. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer (21 %) sagt, „die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten“. Bei den hoch gebundenen sind es 66 %, bei den Arbeitnehmern mit geringer oder ganz ohne Bindung nur 15 beziehungsweise 3 %. Fast jeder fünfte Mitarbeiter (18 %) hat in den vergangenen zwölf Monaten wegen seines direkten Vorgesetzten daran gedacht zu kündigen. Übrigens halten sich 97 % der Führungskräfte für eine gute Führungskraft.

Nachholbedarf haben Führungskräfte hierzulande auch, wenn es um Feedback geht. Gallup-Untersuchungen belegen, dass der kontinuierliche Dialog zwischen Führungskraft und Mitarbeiter einer der wichtigsten Hebel ist, um die emotionale Bindung am Arbeitsplatz zu erhöhen. Doch laut aktuellem Engagement Index haben nur 56 % der Mitarbeiter in den vergangenen zwölf Monaten überhaupt mit ihrem Vorgesetzten über ihre Leistungen gesprochen. Nur 14 % der Mitarbeiter berichten von einem kontinuierlichen Austausch mit dem Vorgesetzten über das Jahr hinweg.

Und selbst dort, wo dies stattfindet, verfehlen Mitarbeitergespräche oft das Ziel, die Arbeitsleistung nachhaltig zu verbessern. Gängige Jahresgespräche kreisen meist um Gehalts- und Beförderungsentscheidungen, nicht um den Mitarbeiter und seine Fähigkeiten unabhängig von Kennzahlen. Nur 38 % stimmen der Aussage „die Rückmeldung, die ich zu meiner Arbeit bekomme, hilft mir, meine Arbeit besser zu machen“ ohne Wenn und Aber zu. Nink: „Dieses Ergebnis stellt Führungskräften ein schlechtes Zeugnis aus. Es ist die Aufgabe einer Führungskraft, die individuellen Leistungspotenziale der Mitarbeiter freizusetzen und zur Entwicklung des Einzelnen beizutragen. Es gilt herauszufinden, was ein Mitarbeiter gut kann und mag und wie er dementsprechend eingesetzt werden kann – dies lässt sich am besten im Gespräch herausfinden.“

Seit dem Jahr 2001 erstellt Gallup jährlich anhand von zwölf Fragen zu Arbeitsplatz und -umfeld den Engagement Index für Deutschland. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx