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Logistik-Jobs lassen sich nur schwer besetzen

Logistik-Jobs adäquat zu besetzen ist keine leichte Aufgabe für die Unternehmen. (Foto-Quelle: Fotolia)

Der Fachkräftemangel in der Logistik ist bei Branchengesprächen mittlerweile das Hauptthema – und zwar quer durch alle Bereiche: von Land bis See, ob Fahrer oder Disponent, von 450-Euro-Jobber bis Gruppenleiter. Logistik-Jobs sind schwer zu besetzen. Ein Schwergutspediteur klagte kürzlich darüber, dass sich Fahrer vorstellen würden, die Chemie im Gespräch gestimmt habe, die Fahrer einen Tag zur Probe arbeiteten, einen Anstellungsvertrag unterschrieben hätten – und am nächsten Tag nicht wieder aufgetaucht seien. Dann hätten sie aber schon Arbeitskleidung erhalten und beispielsweise einen Schlüssel für das Speditionsgelände und seien für Touren eingeplant. Arbeitskleidung und Schlüssel würden das Unternehmen genauso wenig wieder erreichen wie eine simple Absage – und sei es per E-Mail oder Telefonnachricht.

Andere klagen über neu eingestellte Logistiker, die nach wenigen Tagen bereits krank seien. Wieder andere bemängeln Unpünktlichkeit oder fehlendes Fachwissen. Ein Seefrachtspediteur etwa erzählte, dass er seine Logistik-Jobs für Disponenten derzeit nicht besetzen könne. Die Qualität der – wenigen – Bewerber sei schlicht mangelhaft. Er machte dies an einem Beispiel fest: Wer ernsthaft für die Beladung von Seecontainern Packstücke annehme, die nicht durch die Tür passten, würde auch nicht zum Unternehmen passen. Nachvollziehbar.

Der Leiter der Logistikabteilung eines Handelsunternehmens wiederum erzählte etwas ganz anderes: Er habe im Frühsommer eine Aktion für sein Weihnachtsgeschäft gestartet und 450-Euro-Kräfte gesucht. An zwei Tagen habe er mehr als 60 Personen eingestellt – Schüler, Studenten, Hausfrauen, Rentner, bisher Arbeitslose etc. Im Juli ist eine erste Gruppe im Unternehmen gestartet. Es geht um Arbeiten im Lager, von Picken bis Packen. Er ist sehr zufrieden mit seinen neuen Leuten. Alle dürften sich aussuchen, wann sie arbeiten wollten. Trotzdem seien alle relevanten Zeiten bestens besetzt. Alle seien hochmotiviert. Natürlich hätten nicht ganz zehn Prozent wieder abgesagt, aber mit dieser Quote habe er gerechnet. Allerdings: Bei seinen Minijobbern handelt es sich zwar um Jobs in der Logistik, nicht aber um Fachkräfte.

Unternehmen trifft eine Teilschuld

Was sorgt einerseits für die geringe Zuverlässigkeit und andererseits das mangelhafte Fachwissen? Drei Dinge geben Bewerber um Logistik-Jobs als mögliche Gründe an: Einerseits die langen Wartezeiten, bis jemand auf die geschickte Bewerbung reagiert. Ein Kandidat auf Abteilungsleiterebene hat kürzlich neun Wochen auf eine Reaktion des angeschriebenen Unternehmens gewartet, dann noch einmal zwei bis zum Telefoninterview und nun drei bis zum persönlichen Gespräch – das sind mehr als drei Monate insgesamt! Bis dahin habe man sich längst auch bei anderen Unternehmen beworben und eventuell mehrere Jobs in der Logistik zur Auswahl. Darüber hinaus würden auch Unternehmen nicht unbedingt absagen, wenn sie kein Interesse hätten. Andererseits die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Unternehmen. Wer qualifizierte Fachkräfte suche, müsse diese auch entsprechend entlohnen. Sei dies nicht der Fall, kämen eben nur Kandidaten in Frage, die nicht die notwendigen Kenntnisse für den jeweiligen Logistik-Job mitbrächten. Als Drittes fallen die Berichte älterer Bewerber auf, dass sie oft nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen würden. Sollte es tatsächlich noch so sein, dass das Alter ein KO-Kriterium ist? Oder dass ältere Logistiker, die aufgrund ihrer langjährigen fundierten Berufserfahrung nun einmal mehr kosten als junge Mitarbeiter, wegen ihrer Gehaltswünsche aus den Bewerbungsverfahren ausscheiden?

Offenbar müssen sowohl manche Bewerber auf Logistik-Jobs als auch manche von denen, die ihre Jobs in der Logistik adäquat besetzen wollen, ihr Verhalten überdenken.