Birdieblog
Immer auf dem neuesten Stand

Lust auf Zugkunft?

Lokführer werden gesucht – Im Schnitt dauert die Besetzung einer freien Stelle 167 Tage. (Foto-Quelle: Fotolia)

Logistik-Jobs auf der Schiene sind leicht zu finden. Nach Angaben der Interessenvertretung „Allianz pro Schiene“ ist Lokführer der Beruf mit dem größten Nachwuchsmangel in der Logistik. Und die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass Unternehmen im Schnitt 167 Tage warten müssen, bis sie eine offene Lokführerstelle besetzen können.

Verstärkt Nachwuchs auszubilden, ist das eine Gegenmittel. Die Umschulung auch büromüder Arbeitnehmer, das andere. Der Wille der Bahnen, Quereinsteiger aller Altersstufen umzuschulen, ist damit auch eine Chance auf einen Neuanfang in der Logistik.

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz “pro Schiene”, berichtet Ende April 2017: „Abellio qualifiziert Quereinsteiger in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, Vlexx wirbt für Umschüler in Rheinland-Pfalz, Keolis sucht Neuzugänge ebenfalls in NRW, Go-Ahead wirbt in Baden-Württemberg und Lokomotion bietet Qualifizierungskurse in Bayern. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben eine eigene Lokführer-Akademie gegründet. Die Zeiten, in denen allein die Deutsche Bahn AG als Ausbilder aktiv war, sind endgültig vorbei.“

Flege ist überzeugt, dass Lokführer weiterhin ein Traumberuf sein kann – trotz Schichtdienst, nicht gerade üppiger Bezahlung und zum Teil Abwesenheit vom Heimatort. „Viele junge Leute wollen einen Beruf, in dem sie auf der Höhe der neuesten Technik arbeiten und zugleich etwas mit Menschen zu tun haben. Und sie wollen etwas bewegen. All das tut ein Lokführer jeden Tag“, so Flege.
Das Thema „Automatisierung“ schätzte Flege nicht als Problem ein. „In den nächsten Jahrzehnten wird es vor allem darum gehen, den Fahrer mit Assistenzsystemen zu unterstützen – nicht zu ersetzen.“

Auch der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, sieht in der Digitalisierung im Eisenbahnbereich keine Bedrohung für den Lokführerberuf. „Szenarien, wonach schon in naher Zukunft, Züge autonom und damit ohne Lokführer unterwegs sein werden, sind unrealistisch“, sagte Kirchner. „Für diese spannende und verantwortungsvolle Aufgabe werden wir noch lange engagierte Kolleginnen und Kollegen brauchen. Insofern müssen wir verstärkt Interesse wecken, um die augenblickliche Mangelsituation schnellstmöglich zu ändern.“ Dabei sei es die Aufgabe der EVG, den Wandel des Lokführerberufs zu gestalten. „Das Berufsbild wird sich ändern, keine Frage. Klar ist, dass wir als Gewerkschaft diesen Wandel nicht nur begleiten, sondern auch gestalten werden – im Sinne der Beschäftigten“, sagte Kirchner.

Wer mehr über den aktuellen Arbeitsmarkt für Fachkräfte erfahren möchte, kann hier weiterlesen: „Blickpunkt Arbeitsmarkt – Fachkräfteengpassanalyse“: https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2016-12.pdf