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Schluss mit Besinnlichkeit - es ist Weihnachten!


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Der ganz normale Weihnachtswahnsinn - doch woher die ganzen schönen Päckchen? (Foto-Quelle: Fotolia)

Im Dezember droht der Logistik wieder der Paket-Kollaps

Glitzernder Baum, lachende Kinderaugen, duftender Gänsebraten – Stopp, Kameraschwenk hinter die Kulissen der Logistik. Hier geht es um Stress, um aus allen Nähten platzende Verteilzentren, um Wahnsinns-Umsätze, um Zuschläge bei der Paketzustellung, um die ausgepowerte Last Mile-Logistik. Heiligabend, 12:30 Uhr – wo ist das Paket mit den letzten Geschenken? So mancher kommt in den Stunden vor der Bescherung ins Schwitzen. Da hilft der transparenteste Tracker nichts, wenn das Paket auf der letzten Meile stecken bleibt. Die Last Mile-Logistik wird auch in diesem Weihnachtsgeschäft viel Angriffsfläche für die Verbraucher bieten. Lieferwagen, die Innenstädte verstopfen, verspätete oder verlorene Paketzustellungen und immer mehr verärgerte Kunden gehören längst zum Weihnachts-Alltag der Logistiker.

1. Der Online-Handel boomt - die Logistikbranche schwitzt

Zustelldienste kommen in Engpässe. Eigentlich das ganze Jahr über schon, aber im November und Dezember geht es besonders rund. Der boomende Online-Handel gibt ein Tempo vor, mit dem die Logistik kaum mithält. Im Sommer starten bereits die Vorbereitungen für den Peak des Jahres. Im Idealfall werden dann in Absprache mit dem Handel notwendige Kapazitäten in den Depots und auf der letzten Meile sichergestellt. Diese Vorarbeit sollte ein Muss sein, schließlich steigen die Paketzahlen bei den Kurier-, Express,- und Paketdiensten (KEP) ins Unermessliche. Nach Erhebungen des Bundesverbands Paket und Expresslogistik verarbeiteten die Dienstleister im vergangenen Jahr erstmals mehr als 3,3 Milliarden Sendungen, 6,1 Prozent mehr als noch 2016. Seit der Jahrtausendwende hat sich das Volumen nahezu verdoppelt. Und in den kommenden Jahren wird es noch mehr werden. Der Verband rechnet für 2022 mit rund 4,3 Milliarden Sendungen. Die Paketflut stellt die Zusteller vor immense Probleme. Allein die Suche nach Fahrern erweist sich als wachsende Herausforderung.

Mehr Informationen unter https://www.biek.de/publikationen/studien.html

2. Weihnachtsgeschäft durchbricht 100 Milliarden-Euro-Schwelle

Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren 2018 gut, der Arbeitsmarkt hat sich weiter positiv entwickelt. “Das Umsatzplus fällt in diesem Jahr sogar größer aus, als bisher angenommen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Einzelhandelsumsatz 2018 wird nach neuen Schätzungen 525 Milliarden Euro betragen. Umsatztreiber bleibt der E-Commerce. Die Onlineumsätze steigen um 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die stationären Umsätze um 1,5 Prozent. In den Monaten November und Dezember rechnet der HDE mit einem Wachstum von 2,3 Prozent für das Weihnachtsgeschäft. „Der Einzelhandel knackt damit erstmals die 100-Milliarden-Euro-Umsatzschwelle im Weihnachtsgeschäft“, so Genth. Allein in den letzten beiden Monaten des Jahres liegen die Umsätze um rund 15 Prozent, in bestimmten Branchen sogar bis zu 100 Prozent über dem Durchschnitt der anderen Monate. Der stationäre Handel erzielt knapp 19 Prozent, der Online-Handel gut ein Viertel seines Jahresumsatzes nur im November und Dezember.

Ein Viertel der Verbraucher wollen mehr Geld für Geschenke ausgeben als 2017

Die Kunden haben große Pläne zum Fest. Das zeigt eine Verbraucherbefragung des Ifes-Instituts der FOM Hochschule zum Einkaufsverhalten im Weihnachtsgeschäft, die vom HDE unterstützt wurde. Demnach will ein Viertel der Verbraucher dieses Jahr im Weihnachtsgeschäft mehr Geld ausgeben als im Vorjahr. Nur jeder Fünfte will dagegen sparen. In Zahlen heißt das, dass jeder Deutsche rund 472 Euro für Weihnachtsgeschenke investiert. Dieser Wert liegt leicht über den 466 Euro des Vorjahres.

Mehr Informationen unter: https://einzelhandel.de/weihnachten 

3. Enorme Leistungsfähigkeit der KEP-Infrastrukturnetze: 18 Mio. Sendungen an einem Tag

Laut der Marktanalyse der KE-CONSULT Kurte&Esser GbR im Auftrag des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik werden 2018 rechnerisch täglich über 500.000 Sendungen mehr als im ohnehin bereits starken vergangenen Jahr transportiert. „Die positive Entwicklung zeigt auch in diesem Jahr die enorme Aufnahme- und Leistungsfähigkeit der Infrastrukturnetze und die Qualität der Dienstleistungen der KEP-Unternehmen“, lobt Marten Bosselmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik, die Zustelldienstleister. Um die steigenden Sendungsmengen erfolgreich zu bewältigen, investieren sie kontinuierlich in Personal, Fahrzeuge, Umschlagsinfrastruktur und innovative Zustellkonzepte.

Auch im diesjährigen Weihnachtsgeschäft rechnet der Bundesverband Paket und Expresslogistik mit starken Zuwächsen von 8 % bis 10 % bei den B2C-Sendungen im Vergleich zu 2017. Die Zustellung in der Weihnachtszeit an den Endkunden steigt dabei im Vergleich zum Vorjahr um 30 Mio. Sendungen auf 330 Mio. B2C-Sendungen. Zu Spitzenzeiten werden dabei mehr als 18 Mio. KEP-Sendungen an einem einzigen Tag in den Netzen der Unternehmen befördert.

Mehr Informationen unter: http://www.ke-consult.de/

4. Ohne Extra-Weihnachtspersonal geht es nicht

Während Händler von November bis Dezember einen beachtlichen Teil ihres Jahresumsatzes generieren, bedeutet dies für die Paketzusteller vor allem eines: eine hohe Arbeitsbelastung. Dass Millionen von Sendungen täglich befördert werden können, macht vor allem der intelligente Einsatz von Personal möglich. Viele setzen dabei auf Zeitarbeitskräfte. Rund 25.000 Zusteller werden dieses Jahr bei den Unternehmen zusätzlich während der Weihnachtszeit beschäftigt, um die Paketfluten und die damit verbundene Mehrarbeit effektiv zu stemmen. Zeitarbeitsfirmen ermöglichen es, kurzfristig, dringend benötigte Hilfsarbeiter, Kraftfahrer, Verwaltungs- oder Fachkräfte für Lagerlogistik einzustellen. Bei Hermes zum Beispiel sollen landesweit während des Weihnachtsgeschäfts bis zu 6.300 Arbeitskräfte aushelfen. Einige von ihnen kümmern sich um die Zustellung. Auf die meisten der neuen Mitarbeiter jedoch warten Aufgaben wie das Be- und Entladen von Containern oder die manuelle Sortierung. Dank moderner Recruiting-Systeme gibt es heute noch andere Wege, zügig Unterstützung zu finden. BirdieMatch zum Beispiel vermittelt mit seinem Online-Job Matching schnell passende Mitarbeiter. Gerade vor und während des Weihnachtsgeschäfts steigen bei dem Hamburger Startup die Anfragen.

Mehr Informationen unter https://www.birdiematch.de/

5. Höhere Nachfrage, höhere Preise - Paketzusteller führen Zuschläge ein

Es ist nur logisch: Höhere Nachfrage, höhere Preise. Die Zeiten der immer weiter sinkenden Paketpreise scheint tatsächlich vorbei. Immer wieder liest man in der Presse, dass die Kosten in Zukunft ansteigen. Unternehmen müssen ihre Infrastruktur ausbauen und zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Um im War for Talents zu bestehen, müssen sie erfolgreich Employer Branding betreiben und ihren Mitarbeitern Mehrwerte bieten. Einige Dienstleister, zum Beispiel Hermes, UPS und DHL haben ab November bereits einen Paketzuschlag eingeführt. Allerdings berechnen sie die Zuschläge vorerst nur gewerblichen Kunden, nicht Privatpersonen.

6. Wenn die Drohne die Weihnachtsgeschenke durch den Schornstein liefert ...

Die Lieferrate wird sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren verdoppeln. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an verschiedenen Lieferoptionen. Hierzu zählen zum Beispiel die Zustellung im Kofferraum, Paketboxen an der Haustür oder auch Paketshops sowie Packstationen. Da die Empfänger seltener zu Hause anzutreffen sind, werden immer mehr Pakete in den Paketshops der KEP-Dienstleister zur Abholung abgegeben. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Kunden noch immer die direkte Zustellung an der Haustür bevorzugen. Es müssen neue Konzepte entwickelt, sowie in den Köpfen der Menschen verankert werden.

Schnell, flexibel und umweltverträglich

Zahlreiche Arbeitskreise und Gremien beschäftigen sich mit potenziellen Zukunftsszenarien. Dem stetig wachsenden Paketvolumen stehen Themen wie Digitalisierung, ökologische Nachhaltigkeit, steigende Konsumentenerwartungen und Zusteller-Mangel gegenüber. Der Anspruch ist, schnelle, flexible, transparente, umweltverträgliche Lieferoptionen zu realisieren. Es kommt deutlich Bewegung in die Zustellbranche. Neue Ideen und Konzepte rund um Elektromobilität, City-Micro-Hubs und Lastenräder sind bereits bei vielen Unternehmen im Pilotenstatus und kurz vor Start in den operativen Betrieb. Drohnen haben großes Potenzial im ländlichen Raum, Lastenräder wären in Innenstädten eine spannende Lösung. In Berlin wollen zum Beispiel fünf große Lieferdienste Pakete künftig per Lastenrad zustellen. Dazu wurde ein gemeinsamer Umschlagplatz im Stadtteil Prenzlauer Berg in Betrieb genommen. Von hier aus bringen die Zusteller die Pakete mit den Rädern an die Haustür. Die Post wiederum macht Schlagzeilen mit ihrem Streetscooter, einem vollelektrischen Lieferwagen, den der Konzern in Zusammenarbeit mit Ford selbst produziert und an dem zunehmend auch Drittkunden Interesse haben.

Darüber hinaus beschäftigen sich die Logistikmacher der Zukunft mit weiteren Technologie-Themen: Künstliche Intelligenz, Augmented Reality sowohl für die Sortierung im Depot, als auch während der Zustellung, Big Data für eine noch effektivere Routen- und Tourenplanung und Internet of Things. Viele smarte Maßnahmen, die den Logistikern früher oder später helfen sollen, gerade in Engpässen wie dem Weihnachtsgeschäft, den Kopf über Wasser zu halten.

7. Fazit

Ging es in den letzten Jahren primär um mehr und noch mehr, stößt die Logistik nun offenbar an Grenzen des Wachstums. Das könnte für die Onlinehändler zu einem größeren Risiko werden als alles, was bisher als Widrigkeit bezeichnet wurde. Denn anders als bei einem schlechten Listing in den Suchmaschinen, überbotenen Keywords oder einer gefloppten Social Media Kampagne haben die Händler bei der Paketzustellung nicht die Möglichkeit, selbst und aktiv gegenzusteuern. Hier sind sie voll und ganz von ihrem Dienstleister abhängig.

Nach dem Weihnachtsgeschäft ist vor dem Weihnachtsgeschäft

Je größer das Zustell-Volumen im November und Dezember, desto wichtiger ist eine enge Abstimmung mit dem Handel im Vorfeld, insbesondere was die Mengenplanung betrifft. Diese Planung sollte schon im Sommer stattfinden. Und da sich die Regeln nicht grundsätzlich ändern, können Erfahrungen zwecks Optimierung im Folgejahr bestens genutzt werden. Nach dem Trubel also erst einmal zur Ruhe kommen, Daten auswerten und daraus lernen. Grundsätzlich gibt es genügend Gründe zum Optimismus, auf lange Sicht Lösungen für die Lieferengpässe zu finden. Man kann vieles möglich machen, die Kosten dafür werden jedoch steigen. Die gesamte E-Commerce Branche wird sich daher perspektivisch auf höhere Transportpreise einstellen müssen.