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Ziel „Verkehrsverlagerung“ ist 50 Jahre alt – und hatte bisher keine Auswirkungen auf Logistik-Jobs

Eine vermehrte Nutzung des Schienenverkehrs würde sich positiv auf Klimaziele auswirken. (Foto-Quelle: Fotolia)

 

Jeder weiß, dass Schiene und Binnenschiff stärker für Gütertransporte genutzt werden müssten, um die Gefahr eines Verkehrskollapses zu entschärfen und die Klimaschutzziele zu erreichen. Doch passiert ist in den vergangenen Jahrzehnten wenig. Entsprechend wenig hat sich bei der Ausrichtung der Logistik-Jobs auf bestimmte Verkehrsträger verändert.

 

Der Verkehrssektor in Deutschland stößt heute trotz aller Einsparziele immer noch so viel CO 2 aus wie 1990. Um den Klimaschutzzielen näher zu kommen, sollen 2025 mindesten 25 % aller neu zugelassenen PKW und leichten Nutzfahrzeuge elektrisch fahren. Dieser Meinung ist ein Umwelt-Beratergremium der Bundesregierung. Damit das überhaupt möglich sei, müssten die Ladeinfrastruktur und überhaupt die Gewinnung von Strom aus regenerativen Energien ausgebaut sowie die staatliche Förderung erweitert werden.

Das Gremium hält ein Umdenken in der Verkehrspolitik für notwendig. Die Deutsche Verkehrs-Zeitung – DVZ hat Ende November berichtet, dass der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem Sondergutachten darüber hinaus empfiehlt, PKW- und LKW-Maut zu einem streckenabhängigen und flächendeckenden Mautsystem weiterzuentwickeln sowie die Steuervergünstigung für Diesel in dieser Legislaturperiode abzuschaffen. Zudem sei eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene nötig.

Ein alter Hut

Stimmt. Und das wusste vor 50 Jahren schon der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber. Er forderte eine Verlagerung bestimmter Gütertransporte auf die Schiene als Antwort auf massiv steigende Fahrzeug- und Transportmengen, hohe Unfallzahlen und die aufkeimende Umweltbewegung.

Der so genannte „Leber-Plan“ sah unter anderem den weiteren Ausbau des Straßennetzes vor. Zugleich sollten Gütertransporte von der Straße auf Schiene und Binnenschiff verlagert werden.

Lebers Absichten stießen auf Widerstand im Transportgewerbe und beim Koalitionspartner CDU/CSU. Im einem Beitrag im „Spiegel“, der 1968 erschienen ist, wird beschrieben, wie der Leber-Plan und der Gegenentwurf der CDU ausgesehen haben: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46050021.html

Die schließlich umgesetzten Maßnahmen blieben daher halbherzig, kommentierte kürzlich das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE; www.netzwerk-bahnen.de) . Der Straßengüterverkehr wuchs in der Folge ungebremst weiter. 1967 lag seine Verkehrsleistung laut ADAC bei 70 Mrd. t/km auf den westdeutschen Straßen. 2016 waren es – auf dem gesamtdeutschen Netz – schon 472 Mrd. t/km. Der Anteil der Schiene am Güterverkehr sank und verharrt laut NEE seit einigen Jahren bei 17 bis 18 Prozent. Das Versprechen, durch Verkehrsverlagerung Straßen, Menschen und Umwelt zu entlasten, zieht sich zwar seit Lebers Vorstoß durch nahezu alle Partei- und Regierungsprogramme, ist jedoch bis heute nur ein Versprechen.

 

Entsprechend haben sich auch Logistik-Jobs nicht gravierend verändern müssen. Allenfalls sind Kenntnisse im Schienengüterverkehr heute weniger verbreitet als noch vor 50 Jahren. Wer allerdings Erfahrungen auf diesem Gebiet mitbringt, sollte diese in seinem Profil bei BirdieMatch, dem Job-Matching-Portal für Logistik, Spedition, Transport und KEP, vermerken. Wer weiß, vielleicht sind sie künftig das entscheidende Kriterium für einen Traumjob in der Logistik.