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Logistiker aufgepasst: Der Welthandel verliert an Fahrt, doch der Handelskrieg bleibt aus


weltwirtschaft logistikbranche
Laut Euler-Hermes Studie stehen deutsche Exporteure weiterhin auf der Gewinnerseite im globalen Handel. (Foto-Quelle: Fotolia)

Wie sich die Weltwirtschaft entwickelt, ist entscheidend für die Logistikbranche. Je besser, desto mehr Aufträge und umgekehrt. Darum ist ein Blick auf den Welthandel für die anstehende Jahresplanung aufschlussreich.

Das Ende des weltweiten Konjunkturzyklus‘ ist in Sicht und wirkt sich auch auf den Welthandel aus: Das Wachstum verlangsamt sich 2019 auf voraussichtlich 3,6 % (2018: 3,8 %). Das geht aus einer Ende November veröffentlichten Studie des nach eigenen Angaben weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes zum Welthandel mit dem Titel „The show must go on“ hervor. Doch eine Eskalation zum Handelskrieg wird es danach nicht geben.

„Die ‚Protektionismus-Show‘ geht allerdings auch 2019 weiter, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. „Bis einschließlich September haben wir 2018 bereits knapp 300 neue protektionistische Maßnahmen gezählt. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl auf rund 400 neue Handelsbarrieren steigen. Das bedeutet aber auch, dass das Spektakel etwas an Dynamik verliert. 2017 waren es noch 560 neue Maßnahmen.“

Handelsstreit und Handelskrieg: Kenngrößen

Bei einer Eskalation zum Handelsstreit (mit durchschnittlichen US-Zöllen über 6 %) würde die Weltwirtschaft voraussichtlich 0,5 Prozentpunkte (pp) an Wachstum einbüßen. Ein Handelskrieg (US-Zölle im Schnitt über 12 %) würde ganze 2 pp Wachstum beim weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) kosten.

„Die Kuh ist zwar noch lange nicht vom Eis, aber wir erwarten, dass es nicht zu einem Handelskrieg kommen wird“, sagt Subran. „Die USA nutzen zunächst ausgesprochene Drohungen traditionell als Verhandlungsbasis.“ Ein neues Handelsabkommen etwa mit China sei dann das Endspiel. Er verweist auf das umgestaltete NAFTA und das Handelsabkommen mit Südkorea. Und weiter: „Die Einigung verkauft Trump dann geschickt als Sieg. Auf dem Weg dorthin macht allerdings auch er Zugeständnisse, nur eben weniger lautstark.“ Subran erwartet, dass die USA mit den neuen Mehrheitsverhältnissen im Repräsentantenhaus beim Thema Handel eine insgesamt konstruktivere und pragmatischere Haltung einnehmen werden.

Unsicherheiten für Exporteure bleiben groß

Dieser neue Pragmatismus ist laut Studie ein wichtiger Baustein im bevorstehenden Drahtseilakt der Verhandlungen. Diese dürften sich jedoch vermutlich länger hinziehen als ihre Vorgänger. Sowohl China als auch Europa sind wesentlich größere Märkte, die weniger stark von den USA abhängig sind als Kanada, Mexiko oder Südkorea. Die Chinesen profitieren zudem von ihrem florierenden Sicherheits-Handelsnetz mit asiatischen Nachbarstaaten.

Die Fachleute erkennen zudem eine gewisse Protektionismus-Müdigkeit auf allen Seiten. Gehen aber trotzdem davon aus, dass sich eine Einigung durchaus bis Ende 2019 hinziehen könnte.

Zusätzliche Risiken durch Brexit, Türkei, Italien und steigende Insolvenzen

„Die Unsicherheit für Exporteure ist weiterhin hoch“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Zahlreiche weitere politische und wirtschaftliche Risiken wie Brexit-Unklarheiten sowie Spannungen mit der Türkei und Italien und zwischen einzelnen Golfstaaten kämen zu den Handelskonflikten hinzu. Euler Hermes geht für dieses Jahr zudem von einem Anstieg der weltweiten Insolvenzen um 8 % aus und für 2019 um weitere 5 %.

Deutsche Wirtschaft steht im Welthandel auf der Gewinnerseite

Nichtsdestotrotz stehen laut Studienergebnissen gerade deutsche Exporteure weiterhin auf der Gewinnerseite im globalen Handel. Hinter China mit zusätzlichen Exporten von bis zu 146 Mrd. USD in 2019, den USA (plus 134 Mrd. USD) und Indien (plus 71 Mrd. USD) liegen die Deutschen auf Rang 4 der erwarteten Profiteure: Bis zu 64 Mrd. USD an zusätzlichen Ausfuhren seien 2019 für sie zu holen.

Auch bei den Importen ist Deutschland weiterhin ein attraktiver Markt. In den USA steigt die Nachfrage nach Importen auf zusätzliche 193 Mrd. USD, China importiert voraussichtlich mehr Waren im Wert von rund 161 Mrd. USD und in Deutschland sind es zusätzliche 67 Mrd. USD an Einfuhren.

„Deutsche Unternehmen profitieren von dem weiterhin stabilen Welthandel – sowohl bei Exporten als auch bei Importen“, sagt Van het Hof. „Das ist auch eine gute Nachricht für die Transportbranche und die Umschlagplätze wie beispielsweise den Hamburger Hafen, über den ein Großteil der Warenströme aus und nach Übersee läuft. Sowohl Transportbranche als auch Schifffahrt können aktuell gute Nachrichten gebrauchen – Verschuldung, Margendruck und Kreditrisiken sind hier unverändert hoch.“

Die vollständige Euler-Hermes-Studie finden Sie hier:

https://www.eulerhermes.com/content/dam/onemarketing/euh/eulerhermes_com/erd/publications/pdf/GLOBAL-TRADE-THE-SHOW-MUST-GO-ON.pdf